50 Jahre Stadt Porta Westfalica - Der Rat der Stadt konstituiert sich


Er lud zur ersten öffentlichen Sitzung des Beauftragten zur Wahrnehmung der Aufgaben des Rates der Stadt Porta Westfalica ein, die am 17. Januar stattfand. Die Sitzung diente dazu, einen vorparlamentarischen Verwaltungsbeirat zur Beratung der Beauftragten des Rates, Dr. Frohwitter, und der Verwaltung, Heinz Borschel, zu bilden. Heinz Borschel wurde dann Stadtdirektor der Verwaltung. Damit kam der Ratsbeauftragte der Forderung des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalens nach, „laufend mit den örtlichen Repräsentanten der in der neuen Stadt vertretenen politischen Parteien und Wählergruppen Fühlung zu halten“. Mitglieder des Verwaltungsrates, so ist dem Protokoll zu entnehmen, waren Kohlmeier, Edler, Grotjohann, Apking, H. Watermann, Tebbe, Wehking, Hauenschild, Dießelhorst, Vauth und W. Watermann. Auf die Nennung der Vornamen wurde im Protokoll verzichtet, die meisten lassen sich von der Liste des ersten Rates der Stadt Porta Westfalica ableiten.

Der Beginn der Sitzung ist nicht protokolliert, doch es ist zu vermuten, dass die Sitzung gegen 15:00 oder 15:30 Uhr begann, da Herr W. Watermann an der Sitzung ab 15:45 Uhr teilnahm. Sie wurde erst um 19:00 Uhr beendet, denn es galt, viele Beschlüsse zu fassen, insbesondere auch personeller Art. Von den Parteien wurden Personen benannt, die Mitglied des Wahlausschusses werden sollten. Der Ratsbeauftragte Dr. Frohwitter entschied darüber hinaus, dass diese am Verwaltungsbeirat teilnehmen sollten. Für den Wahlausschuss benannt wurden von der SPD mit 5, von der CDU 2, von der FDP 2 und von der UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft) 1 Mandatsträger und noch einmal die gleiche Anzahl für deren Vertreter. Wahlausschuss und Verwaltungsbeirat waren ausschließlich mit Männern besetzt und auch bei allen Vertretern der Verwaltung handelte es sich um Männer.

Die Tagesordnung umfasste viele Fragen der kommunalen Verwaltung von der Bestellung des Leiters des Rechnungsprüfungsamtes, des kommissarischen Stadtbrandmeisters und des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Sparkasse des Amtes Hausberge. Stadtentwicklung, Schulplanung, Schulsport, Fremdenverkehr – wie es damals hieß, Aufstellung eines Straßenverzeichnisses, den Bau des Hallen- und Freibades, Beihilfen für die Vereinsarbeit, Festsetzung der Aufwandsentschädigung für die obersten Gemeindeorgane und Grundstücksverträge standen auf der Tagesordnung. Und ja, auch die Durchführung einer Aktion „Saubere Landschaft“ war Thema, die damals von den Stadtarbeitern in den Wintermonaten durchgeführt werden sollten. In insgesamt 4 Sitzungen am 17. Januar, am 14. Februar, am 7. und am 21. März tagte der Verwaltungsbeirat auf Einladung des Beauftragten zur Wahrnehmung der Aufgaben des Rates und befasste sich mit den anstehenden Themen der neu gegründeten Stadt.

Nach der aufgrund der Gebietsreform vorgezogenen Kommunalwahl 1973 war es dann soweit und der Rat der Stadt Porta Westfalica tagte erstmals am 11. April 1973. In der konstituierenden Sitzung wurde der Bürgermeister und seine Vertreter gewählt und ebenso wie die Ratsmitglieder vom Altersvorsitzenden Fritz Kohlmeier offiziell in ihr Amt in feierlicher Form eingeführt und zur gewissenhaften Wahrnehmung ihrer Aufgaben verpflichtet. Bürgermeister wurde Wilhelm Watermann, 1. Stellvertreter wurde Heinrich Vauth, 2. Stellvertreter wurde Heinrich Schäfer – jener Heinrich Schäfer, der zehn Jahre später von 1983 bis 1999 das Amt des Bürgermeisters innehatte.

Insgesamt 15 Ausschüsse wurden gebildet, die sich sachorientiert mit den vielfältigen kommunalen Aufgaben befassen würden. Die Bildung der Bezirksausschüsse wurde von der Verwaltung vorbereitet. Größe und Zusammensetzung der Bezirksausschüsse wurden gemäß der Bestimmungen der Gemeindeordnung und des Gebietsänderungsvertrages sowie unter Berücksichtigung der Wahlergebnisse geregelt. Im Laufe des Jahres konstituierten sich die Ausschüsse nach und nach.  Die Gründung des Stadtsportverbandes wurde am 11. Mai und die Gründung des Stadtkulturrings wurde am 1. Juni 1973 auf den Weg gebracht. Die beiden letzten bestehen bis heute, der Verteidigungsausschuss wurde aufgelöst. Die Gremien waren ab 1973 mit Ausnahme von einem weiblichen Ratsmitglied von Männern dominiert. Anne Julie Marie Luise Nagel, geb. Dörffner, genannt Änne, war zeitlebens politisch engagiert. Geprägt von ihrer Herkunftsfamilie und aufgefordert und ermutigt von ihrem kommunalpolitisch aktiven Ehemann Heinrich Friedrich, übernahm sie als Ratsmitglied im Rat der Stadt Hausberge 1969 Verantwortung und wurde 1973 in den Rat der Stadt Porta Westfalica gewählt, dem sie bis 1994 angehörte. Respektvoll wurde Änne Nagel im Protokoll unter den Anwesenden als erste aufgeführt – außerhalb der regulären alphabethischen Reihenfolge.

Mitglieder des ersten Rates der Stadt Porta Westfalica 

Änne Nagel
Karl Apking
Friedrich Bake
Uwe Bauer
Willie Brink
Friedrich Dießelhorst
Willi Edler
Gerhard Grotjohann
Herbert Hauenschild
Heinrich Kütemeyer
Günter Lochno
Rainer Luchmann
Fritz Margraf
Hans-Dieter Meier
Wilhelm Neermann
Günter Niederfeld
Walter Nottmeier

Heinrich Schäfer
Walter Schmidt
Wilhelm Steinmeier
Herbert Stendel
Heinrich Tebbe
Karl Tebbe
Karl Tönsmeier
Reinhold Trinius
Heinrich Vauth
Werner Vogt
Rudi Vollmann
Wilhelm Voth
Heinrich Watermann
Wilhelm Watermann
Heinrich Wehking
Wolfgang Wiedermann
Wolfgang Witt

Die Entwicklung von 15 Gemeinden zu einer Stadt mit 15 Stadtteilen nahm mit dem ersten Rat rasant Fahrt auf und wurde ab 1975 mit dem dann neugewählten Rat und wenig später mit Stadtdirektor Dr. Wolf Berger fortgesetzt.

Der Rat der Stadt ab 1975